Perth – Cervantes

Mittwoch, 18. April

Von Brookton aus ging‘s über sanfte Hügel und durch riesige Wälder ins regnerische Perth. Wobei: Hier heisst Regen ein paar Minuten lang ein bisschen sprühendes Wasser vom Himmel, keine stundenlangen Güsse! Und die Leute in Perth sind dankbar für die ersten Regentropfen nach langer Trockenheit.

In Perth suchten wir den Campervermieter auf, um das Fahrzeug und seine Einrichtung nochmals vor der langen Fahrt in den Norden überprüfen zu lassen – alles i. O.

Am Nachmittag fuhren wir dann weiter, durch hübsche Vororte mit noblen Villen und über mega Highways und auf Küstenstrassen in parkartiger Landschaft nach Lancelin, 130 km nördlich von Perth.

Lancelin
Am Strand von Lancelin

Donnerstag, 19. April

Heute stand der Besuch des Nambung-Nationalparks auf dem Programm. Nahe der Küste, in den Dünen versteckt, bewunderten wir eine noch nicht restlos erforschte und geklärte geologische Erscheinung: die Pinnacles. Eine Theorie besagt, diese Steinspitzen seien Überreste von versteinerten Bäumen. Eine andere Theorie besagt, dass kalkiger Meeressand und Quarzsand von den Flüssen aus dem Landesinnern sich hier vermischt hätten. Die Feuchtigkeit habe dann den Kalk (Calziumkarbonat) aufgelöst und beim wieder Trocknen habe dies wie Zement gewirkt… Wie auch immer: Ein eigenartiges und einzigartiges Naturwunder!

Noch eine weitere seltsame Erscheinung trafen wir wenige Kilometer weiter an: Im Lake Thetis gibt es Stromatolithen. Mikroskopisch kleine Lebewesen haben im Laufe mehrerer tausend Jahre diese runden, steinartigen Gebilde entstehen lassen. Durchmesser dieser „Steine“: 40 – 50 cm.

Übernachtung: Cervantes

Bremer Bay – Perth

Montag, 16. April

Den Morgen begannen wir mit einem ganz kurzen Ausflug an den nahegelegenen Fluss und das Meer – alle Pelikane, die wir gestern noch gesehen haben: einfach weg!

Über sehr holprige Naturstrassen erreichten wir nach etwa 40 km Point Ann im Fitzgerald River National Park. Point Ann ist eine hübsche Bucht, die, wenn es wärmer wäre, auch zum Baden einladen würde. Vor allem ist diese Bucht aber dafür bekannt, dass im September/Oktober Mink- und Buckelwale hier ihre Jungen zur Welt bringen. Daher sahen wir natürlich keines dieser Tiere – leider!

Wir sagten nun der Südküste tschüss und fuhren über weitere 50 km auf einer Wellblechpiste gegen Norden. Anschliessen folgten viele Kilometer auf normalen Strassen. Es ging wieder vorbei an fast unendlich grossen, abgeernteten Getreidefeldern, vorbei an unzähligen Salzseen. Nun verbringen wir die Nacht auf dem Campingplatz von Hyden.

Lake King
Lake King (Salzsee)

Dienstag, 17. April

Nach einem lauen Abend gab’s wieder eine kühle Nacht und wir waren froh über unsere warme Bettdecke!

Nach dem Morgenessen machten wir uns zum nahen Wave Rock auf. Wind und Wetter haben aus dem gewaltig grossen Monolithen eine wellenförmige Vertiefung herausgearbeitet. Das fliessende Wasser und verschiedene Flechten und Algen sind Ursache für die farbigen Streifen.

Die ersten Siedler haben um 1900 gar einen Damm gebaut, um in diesem trockenen Gebiet Wasser zu sammeln. Eine grossartige Aussicht bietet sich beim Wandern auf diesem Felsen!The Wave

Die ersten Siedler haben um 1900 gar einen Damm gebaut, um in diesem trockenen Gebiet Wasser zu sammeln. Eine grossartige Aussicht bietet sich beim Wandern auf diesem Felsen!

Am einen Ende des Wave Rocks überrascht einen das aufgesperrte, felsgewordene Maul eines Nilpferds.

Unweit vom Wave Rock befindet sich ein weiterer Monolith, the Hump, mit Höhlen, in denen über 400 Aboriginie-Zeichnungen zu bewundern sind.

Nun sind wir wieder auf dem Weg nach Perth und übernachten in der kleinen Ortschaft Brookton.

Albany – Bremer Bay

Samstag, 14. April

Auf einem Hügel über dem natürlichen Hafen von Albany stellten wir uns vor, wie sich Abertausende von Soldaten wohl gefühlt haben mochten, als sie auf ihren zugeteilten Schiffen auf die Abfahrt nach Europa warteten. Ihr Auftrag war, die Alliierten im 1. Weltkrieg zu unterstützen. Über 41‘000 Soldaten aus Australien und Neuseeland fanden auf verschiedenen Schlachtfeldern (Gallipoli, Palästina, Frankreich und Aegypten) den Tod. Eine eindrückliche, multimediale Ausstellung auf dem ANZAC-Hill erzählt die Geschichte dieser Soldaten und ehrt ihren Einsatz.

Hafen von Albany
Hafen von Albany vom ANZAC-Hill aus

Als Ausgleich zu diesem ernsten Thema unternahmen wir am Nachmittag einen relativ schweisstreibenden Aufstieg auf den Porongurup im gleichnamigen Nationalpark. Für uns endete der Weg beim Balanced Rock, auf einer Aussichtsplattform, von der aus man eine grandiose Aussicht bis zum Meer hat. Dieser Nationalpark liegt etwa 80 km nördlich von Albany.

Sonntag, 15. April

Nach einer sehr kalten Nacht (im Camper 12°, brrrr!) in den Stirling Ranges, machten wir eine Rundfahrt im Stirling Range Nationalpark. Wir brauchten zum ersten Mal den Allradantrieb, weil wir auf holprigen Naturstrassen fuhren. Unterwegs sahen wir nahe am Strassenrand eine Schar Emus, und Kängurus hüpften vor uns her. Von einem Lookout bot sich uns eine grossartige Sicht auf die weite Landschaft.

Bei der Weiterfahrt wechselte die Vegetation: War es vorher eine kurzweilige, parkähnliche Landschaft mit Büschen, Wäldern und Reben, fuhren wir nun entlang von endlos scheinenden, abgeernteten Getreidefeldern.

Heute übernachten wir in Bremer Bay, an einem Flusslauf mit Hunderten von Pelikanen, bei wunderschönem Wetter!Pelikane

Augusta – Albany

Donnerstag, 12. April

Nach einer weiteren, eher kühlen und regnerischen Nacht ging unsere Reise weiter. Durch unendlich weite Karri-Eukalyptuswälder, die oft durch grosse Weingüter unterbrochen wurden, fuhren wir Richtung Osten. Immer wieder sahen wir Emus und Kängurus. Auf dem Weg nach Pemberton besuchten wir kurz den Beedelup-Wasserfall  (oder eher Fälleli…, aber immerhin ein schöner Spaziergang über eine Swinging-Bridge).

Ein paar Kilometer später bewunderten wir den ca. 70 m hohen Bicentennial-Tree, den man beklettern könnte… wir beliessen es beim Anschauen.

Nahe Pemberton steht der wohl bekanntere Gloucester-Tree, den man auch bis auf eine Höhe von 65 m erklettern kann. Wir staunten von unten über die mutigen Kletterer und versuchten eine Mutter zu beruhigen, deren Jungs wie Wiesel hinaufstiegen.

Am Walpole-Inlet fanden wir wieder einen hübschen Zeltplatz. Sehr viele Pelikane schwammen hier auf dem nahen Wasser.

Freitag, 13. April

KookaburraAm Morgen wurden wir von einem Kookaburra beim Aufstehen beobachtet, keine 2 m von unserem Camper entfernt liess er sich von der Sonne das Gefieder wärmen.

Weiter ging’s Richtung Albany. Auf dem Weg machten wir kurz Halt auf einem Hügel, der uns einen Weitblick auf die Gegend um Walpole ermöglichte.

Ganz in der Nähe steht wohl einer der ältesten Tingle-Trees, eine Eukalyptusart, die nur in diesem Gebiet vorkommt. Der Baum ist vermutlich gegen 400 Jahre alt und hat schon etliche Waldbrände überlebt.

Tree Top WalkAls Zückerchen und Abschluss der Reise durch das Gebiet mit diesen Baumriesen marschierten wir auf einem Tree-Top-Walk auf bis 40 m Höhe über dem Boden zwischen den Baumkronen.

 

Zurück an der Küste erlebten wir die starke Brandung des Pazifiks. Mit unheimlicher Wucht schlagen die Wellen gegen die Felsen und die Gischt spritzt meterhoch an den Felsen empor. Sogar eine natürliche Brücke ist an dieser Stelle durch die Kräfte des Wassers entstanden!

Heute übernachten wir auf einem sehr schönen Campingplatz nördlich der kleinen Stadt Albany. Und es ist immer noch kühl und regnerisch… :-((  Aber bei allen unseren Aktivitäten wurden wir vom Regen verschont!

Margaret River – Augusta

Ziel des heutigen Tages: Weiterfahrt nach Augusta.
DSC01306Wie immer hatten wir uns im Visitor Center beraten lassen und wieder wertvolle Tipps erhalten. So fuhren wir also zeitig los in Richtung Westen. Absicht war, über die Caves Road in Richtung Augusta zu fahren. Erster Stopp war der Surfers Point. Dort tummelten sich mehrere Surfer im Wasser, denn ein Wettbewerb war angesagt. Nicht verwunderlich: Die meterhohen Wellen locken wohl alle Surffreaks an diese Küste!

DSC01310Nach diesem kurzen Abstecher gings dann in südlicher Richtung weiter durch endlos scheinende Karri-Wälder. Die Karris sind eine Art der Eukalyptusbäume (Eucalyptus diversicolor), die im Südwesten Australiens heimisch ist. Nebst der stattlichen Erscheinng dieser grossen Bäume beeindruckt aber auch der feine Duft in diesen Wäldern. Hier löste sich für uns auch ein „uraltes“ Rätsel: Warum haben die Eukalyptus-Zältli ihre spezielle Form? Das Licht ging uns auf, als wir die Früchte der Eukalypten sahen – also daher die Form der Zältli!

Nochmals unternahmen wir einen Abstecher ans Meer, zur Hamelin Bay. Hier tummelten sich doch tatsächlich mehrere Stachel- und Adlerrochen ganz nah am Ufer, ja sie liessen sich sogar von den Menschen berühren! DSC01321

Gegen Mittag erreichten wir die Jewel Caves und nahmen an einer Führung ins Bergesinnere teil. Wir waren überwältigt von der riesigen Zahl an Tropfsteinen in dieser Höhle. Aber noch weiter erstaunte uns, dass Tropfsteine nicht nur in senkrechter Richtung wachsen, sondern auch waagrecht! Ein Tropfstein versetzte uns ganz besonders in Staunen: Ein nur 4 – 5 mm dünner „Faden“ hängt hier von der Decke herunter, aber mit der stattlichen Länge von 5.4 m!!

Anschliessen fuhren wir zu Cape Leeuwin weiter, wo wir den mit 54 m höchsten Leutturm Australiens besichtigten.

DSC01368Schon auf der Fahrt war uns kurz vor Augusta ein Gebiet aufgefallen, wo vor nicht allzulanger Zeit ein Buschbrand geherrscht haben musste. Im Dorf machten wir dann unsere Einkäufe. Plötzlich kam ein Angestellter auf uns zu, der unsere seltsame Sprache gehört hatte. Es stellt sich dann in einem längeren Gespräch heraus, dass er Gerhard heisst und vor 35 Jahren von Bayern ausgewandert war. Tragischerweise hatte genau dieser Buschbrand im Januar dieses Jahres fast alle seine Erinnerungsstücke an die alte Heimat vernichtet…

Nun übernachten wir am Blackwood River in Augusta.

 

 

Perth – Margaret River

Nach dem relativ heftigen Stress mit dem abhanden gekommenen Handy, und dem Kauf eines neuen, hat Werni locker Wege gefunden, unsere diversen elektronischen Geräte aufeinander abzustimmen 🙂

Am Samstag, 7. April unternahmen wir in Perth bei schönem, windigen Wetter eine Hop-on hop-off-Tour. Innert kurzer Zeit bekamen wir einen schönen Überblick über die Stadt. Am Abend wurden wir zufällig in der Innenstadt Zuschauer  bei einem „White-Dinner“. Hunderte von ganz in weiss gekleideten Menschen trafen sich (ohne sich zu kennen) mit Campingtischen und -Stühlen und mitgebrachtem Essen zu einem gewaltigen Nachtessen und gemeinsamem Tanzen…unglaublich!!

Am Sonntag galt es dann Ernst! Wir konnten „unseren“ Allrad-Camper für die nächsten gut 10 Wochen übernehmen. Nach einem ausgedehnten Lebensmittel-Einkauf in einem riesigen Einkaufstempel flüchteten wir auf den nahen Campingplatz.

PerthGestern besichtigten wir westlich von Perth, in Fremantle, ein altes, mächtiges Gefängnis, das aber seit 1991 nicht mehr „in Betrieb“ ist und übernachteten ein gutes Stück südlich von Fremantle in Lake Clifton.

Heute marschierten wir auf dem längsten Jetty der südlichen Hemisphäre (1841 Meter) weit ins seichte Meer hinaus. Wenige Sekunden vor einem Wolkenbruch erreichten wir wieder unser rollendes Haus.
Leuchtturm
Nach dem Besuch des mächtigen Leutturms am Cape Naturaliste (nördlich von Dunsborough) ging unsere Reise heute noch bis Margaret River, wo wir die Nacht verbringen werden.

 

 

 

Und Scharen solcher Papageien wecken uns am Morgen laut krächzend und machen uns unser Frühstück streitig…!Papagei